Die etwa 6040 Hektar Weinrebenplantagen des Erlauer Weingebiets liegen auf den südlichen Berghängen des Bükkgebirges. Das Weingebiet gliedert sich in zwei Herkunftsschutzbezirke auf, den Erlauer und den Debrõer, sie umfassen die Stadt Eger und die folgenden 19 Gemeinden: Andornaktálya, Demjén, Egerbakta, Egerszalók, Egerszólát, Felsõtárkány, Kerecsend, Maklár, Nagytálya, Noszvaj, Novaj, Ostoros und Szomolya im Erlauer bzw. Aldebrõ, Feldebrõ, Tófalu, Verpelét, Kompolt und Tarnaszentmária im Debrõer Bezirk.
Das Zentrum des Weingebietes ist EGER
Die Stadt Eger, diese mehr als tausend Jahre alte Kleinstadt, mit seiner wechselvollen Geschichte, wertvollen Denkmalkomplexen, mit seinen Weinen und Heilwassern ist eine der berühmtesten Städte Ungarns. Eger wird oft als historische Stadt bezeichnet, aber auch als die Stadt der Weine, des Barocks, der Heil- und Thermalwässer und der Studierenden. Sie war schon unter der Herrschaft unseres ersten Königs, des Heiligen Stefans, Bischofsitz. Die Stürme der Geschichte haben die Stadt nicht verschont, in der Zeit der Mongolensturms ist sie fast zerstört worden, aber ihre im XII. Jahrhundert erbaute Steinburg hat schon während der türkischen Kämpfe eine sehr wichtige Schutzrolle gespielt. Der Burgkapitän, István Dobó und seine etwa 2000köpfige Truppe haben sich im Jahre 1552 mehr als einen Monat der vierzigfachen türkischen Übermacht widersetzt. Eger ist die Stadt des Barocks, ihr Stadtbild wird vom Barock beherrscht. Im XVII. Jahrhundert war sie eine bedeutende Kultur- und Bildungszentrale. Fast 170 herausragende Schöpfungen der Architektur der vergangenen Jahrhunderte sind in nahezu unberührter Schönheit erhalten: die Burg und ihr Festungssystem, das Burgmuseum, die Kasematten, das Lapidarium, das Gotisches Palais, das Lyzeum, die Bibliothek der Erzdiözese , die Specula obscura (das Sternwartemuseum), die Periskope, der Erzbischofspalast, der Stadtmauerteil und die Bastei, das türkische Bad, das Gebäude des Komitatsrates mit den von Henrik Fazola geschmiedeten Eisentüren, das ehemaliges Komitatsgefängnis, die Kirche der barmherzigen Schwestern mit dem Krankenhaus, die Zisterzienser und Jesuiten Gymnasien, das Foglárium, die orthodoxe Parochie und die Kirche, der Rokoko Kleinprobstpalast, die Basilika, die Barockkirchen der Zisterzienser, Minoriten und Franziskaner, die Servitenkirche, das Minaret, der Großprobstpalast, das Erzbischofs- Sammlungszentrum, das Telekessy István Apothekenmuseum mit den Habán-Gefäßen, die Gárdonyi Géza Gedenkstätte im Wohnhaus des Schriftstellers.
Die Stadt und ihre Umgebung ist ein berühmtes historisches Weingebiet. Die Bevölkerung beschäftigt sich fast 1000 Jahre mit Weitrauben und Weinanbau, hier werden ausgezeichneten Weine hergestellt, wie das Erlauer Stierblut (Bikavér), die Erlauer Mädchentraube (Leányka), Debröer Lindenblättriger (Debrõi Hárslevelû), Erlauer Chardonnay, Erlauer Cabernet France und Sauvignon, Erlauer Merlot, Erlauer Blaufränkischer (Kékfrankos) und Kékmedoc (Blaumedoc). Das Erlauer Weingebiet hat nach dem Systemwechsel über eine außerordentlich schnelle Entwicklung erfahren. Das Gebiet der Weintraubenplantagen ist durch neue Plantagen mit traditionellen und neuen Sorten an den besten Standorten erheblich gewachsen (Nagy-Eged, Pajdos). Das in den entwickelten westlichen Weinkulturen gebräuchliche AOC System wurde eingeführt. Neben dem einen, großen staatlichen Weinbauunternehmen hat sich die Qualität durch die Gründung von mehreren Weinbaubetrieben mittlerer Größe und Kleinbetrieben in einer beachtlichen Entwicklung erheblich verbessert. Die ältesten Weinkeller sind mehr als 400 Jahre alt, aber in unseren Tagen werden immer noch neue Keller aus dem Stein geschlagen. Wir können ruhig sagen:
" EGER ist DIE BASTEI DER WEINE".
KLÍMA: Für das Klima ist charakteristisch, dass es verhältnismäßig spät Frühling wird und es trocken ist
BODEN Auf den Berg- und Hügelgehängen aus hauptsächlich Rhyolithtuffstein des Miozänalters, außerdem auf Tonschiefer, hat sich der schwarze kalkarme Boden, der braune Waldboden mit Toneinwaschungen herausgebildet usw.
GESCHICHTE
Auf den Abhängen des Kis-Eged Berges wurden die Versteinerung des 30 Millionen Jahre alten " Vitis hungarica" gefunden. Das hat aber nicht viel mit dem heutigen Weinanbau zu tun.
Eger war schon seit dem X. Jahrhundert bewohnte und zu Beginn des XI. Jahrhunderts bereits eine Siedlung von bedeutender Größe. Eines der ersten Bistümer in Ungarn hat unser erster König St. Stefan in Eger gegründet. Die zum Bistum ziehenden Mönche haben aus ihrem Land auch die dort beheimateten Rebsorten mitgebracht.
Die Mongolen haben die Bevölkerung dezimiert. König Béla der IV hat auch Wallonen hier angesiedelt, die ihre Weinbau und Weinzubereitungskenntnisse mitgebracht haben (z.B.: die Fassnutzung).
Die Hügel in der Umgebung von Eger wurden im XIII. - XIV. Jahrhundert gerodet und Weintrauben angepflanzt. Die sich Zisterzienser Mönche haben aus diesen Weinen ihren Weinbedarf gedeckt.
Die Rolle der Stadt war sehr bedeutend in den ersten Jahrhunderten des ungarischen Mittelalters: In der Burg hatte das größte Bistum seinen Sitz, zu dem nicht nur das Komitat Heves sondern auch der gesamte nordöstliche Landesteil gehörte. Der zentralen und führenden Wirkung der Kirche sind die Bestrebungen für den Weinbau und seine Entwicklung zuzuschreiben, weil der Wein ein unentbehrliches Zubehör bei den kirchlichen Zeremonien war. Aus dem Weinbau musste das Zehntel als Naturalabgabe an die Kirche gegeben werden und den weltlichen Institutionen aufgrund der kirchlichen Verordnung. Auch die ersten Keller wurden für Lagerung der Naturalabgaben gebaut.
Die vor den Türken flüchtenden Raizen haben auch die Technologie der mit der Schale reifenden Rotweinzubereitung mitgebracht und auch die Kadarka Rebensorte.
Nach mehreren Jahrzehnte unerfolgloser Belagerung haben die Türken im Jahre 1596 die Erlauer Burg eingenommen und 91 Jahre in Besitz gehalten, aber der Weinbau ist geblieben. Ursache dafür war nicht, dass die Türken viel Wein getrunken haben, sondern er bedeutetet für sie eine gut Einnahmequelle.
Im XVII.. Jahrhundert haben die Rotweinrebsorten immer mehr Platz gewonnen, im Gegensatz zu den Weißweinrebesorten. Die Burg wurde im Jahre 1687 von den Türken zurückerobert. Während der Neubevölkerung der Stadt und ihrer Umgebung hat sich im schnellen Verlauf innerhalb von zwei Jahrzehnten eine Wein- Monokultur herausgebildet. Die Mehrheit der auch heute noch gebräuchlichen Namen der Weinberge sind Ende des XVII. Jahrhunderts und im XVIII. Jahrhundert entstanden.
Im 1886 trat in Eger die Filoxera auf und hat die Weinreben fast vollkommen vernichtet. Während der Neuanpflanzungen (Rekonstruktionen) sind auch neue Sorten in das Weingebiet gekommen. Die Tendenz ist seither ähnlich wie in anderen Weingebieten.
Bei der Neupflanzung der vollkommen zugrunde gegangenen Reben versuchte man, auch früher nicht bekannte Sorten zu beheimaten. In den vorangegangenen Jahrzehnten haben die Erlaure Weinbaukundigen auch im Ausland bewiesen, dass der Rebensaft der hiesigen Traubensorten die hier angebaute Mädchentraube (Leányka) , Königs-Mädchentraube (Királyleányka) , Hárslevelû Lindenblättriger Hárslevelû , Italienischer oder Welschriesling (Olaszrizling) , Muskateller (Muskotály) Traminer (Tramini) Grau Mönch ( Szürkebarát) und Chardonnay mit allen anderen heimischen und ausländischem Wettbewerbern bestehen kann. Nach Meinung der Fachleute können auch die die Rotweine, wie der Erlauer Blaufränkischer (egri Kékfrankos) , Blauburger , Merlot , Cabernet Sauvignon , Cabernet Franc und Pinot Noir mit großen internationalen Erfolgen rechnen, wenn die Weinbaubetriebe die Möglichkeiten der Landschaft gut nutzen. Die Egervin Rt. pflegt einen Weinbestand mit musealem Wert und sie haben den Platz zur Verfügung gestellt für die Zubereitung des Erlauer Stierblut der Jahrtausendwende , den sie aus dem Weine von einhundertneunzehn Weinbauern hergestellt haben. Die Kellerei Thummerer befindet sich in dem ein paar Kilometer von Eger entfernt liegenden Noszvaj . (In der Umarmung der gebirgigen Hügel liegendes wunderschönes kleines Dorf, das sich auch dann zu entdecken lohnt, wenn es keinen Wein gäbe). Mit riesigem Erfolgt ist der Winzer Béla Vincze aus Eger in das öffentliche Bewusstsein getreten, der schon im ersten Jahr Rotweine hergestellt hat, mit denen er auf dem in Bordeaux-ban (Blaye-Bourg) veranstalteten internationalen Wettbewerb einen nie erwarteten Erfolge erreichen konnte. Den Titel "Winzer des Jahres" hat der Weinkundige Tibor Gál aus Eger im Jahre 1998 erhalten. Die heimischen und internationalen Erfolge von Tibor Gál rücken das Weingebiet auch immer mehr in Licht der Öffentlichkeit. In Eger ist das Forschungsinstitut für Weinbau (szõlészeti) und Weinkunde (Önologie) tätig das große Ergebnisse bei der Veredelung resistenter Trauben erzielen konnte sowie im Bereich der Forschung über die Wirkung der Barrique Fässer auf den Wein. Die Anerkennung des Erlauer Weingebietes betätigt sich auch dadurch, dass der ehemaliger Hersteller der Schlossweine von Bátaapáti, Dr. Tamás Pók, unter dem Namen Pók Polonyi Kellerei mit einer eigener Erlauer Kellerei mit Weinen von ausgezeichneten auf dem Markt getreten ist sowie die Varsányi Kellerei, die in Verpelét tätig ist und mit großer Fachkenntnis den Wein des Bezirkes Debrö den Debrõer Lindenblättriger (Debrõi Hárslevelû) herstellt und vertreibt. Würze, Feurigkeit und einen verhältnismäßig hohen Säuregehalt der Erlauer Rotweine kennzeichnen meistens das Stierblut. Deshalb bemühen sich die örtlichen Winzer sehr und verwenden ihre meiste Energie für das Komponieren des Stierblutes. Die Methode der Zubereitung dieses edlen Tranks erfolgt auf der Grundlage mehrere Jahrhundert alte Traditionen, die von der Berggemeinde der Stadt Eger im Jahre 1997 im so genannten "Bikavér Kódex" festgelegt wurde.
TIPPS FÜR WEINPROBEN
Wir können ausgezeichneten Stierblut (Bikavér) in den Weinkellern von Endre Bakondi probieren, in der Weinkellerei Kõporos, bei der Ostoros-Novaj Bor geschlossene AG, bei den Winzern József Simon, Ferenc Tóth, István Tóth, Tamás Sike, in der St. Andrea Kellerei, Demeter Kellerei, Juhászvin GmbH, Forschungsinstitut, Kellerei Vincze Béla und in den Kellern der Egervin geschlossene AG.
Ein allseits beliebter Platz für die mit den Erlauer Weinen verbundenen Lustbarkeiten und für den Weintourismus sind die in den Rhyolithtuffstein geschlagenen Keller und mit den Tscharden im Tal der Schönen Frauen. Im nördlichen Teil des Tales ist der älteste, denkmalgeschützte Keller des Weingebietes der "Istenes Pince" (Gottes Keller) zu besichtigen, der in der türkischen Zeit als geheimnisvolle Kirche benutzt wurde. Noch heute kann man den aus einem Steinblock gehauenen Altar und das Flachrelief, das Jesus am Kreuz darstellt, sehen. In immer mehrer Restaurants in der Umgebung kann der Gast aus Gerichten wählen, die mit Erlauer Weinen zubereitet werden. Eines der leckersten Gerichte ist die mit den Früchten des Waldes und der Felder gewürzte, in Stierblut gedünstete Hirschscheibe mit Heidelbeerensoße. Für die Liebhaber von Süßigkeiten können wir guten Herzens die von den Erlauer Frauen zum Dessert hergestellten Kugelpalatschinken mit Walnusskreme und mit Vanilleschokolade mit einem Glas altem süßen Erlauer Mädchentraube (Egri Leányka) empfehlen, eine der beliebtesten Delikatessen der Touristen. Es muss gesondert erwähnt werden die im Eigentum des Hotels Korona (Hotel Krone) befindliche zweihundert Jahre alte István Pince (Stefan Keller) und das Nationales Weinmuseum, dessen Sammlung eine umfassendes Bild der Weine Ungarns bietet.
Die Region von Eger gibt Platz und Lebensunterhalt für zahlreiche ausgezeichneten Weinbauern, Winzern. Von denen treten Vilmos Thummerer, Tibor Gál und Béla Vincze hervor. Zum Winzer des Jahres 1995 wurde Vilmos Thummerer gewählt, er stellt in Noszvaj seine hoch qualifizierten Weine von ausgezeichneter Qualität her. Tibor Gál hat im Jahre 1998, Béla Vincze im Jahre 2005 von der Ungarischen Weinakademie als Annerkennung ihrer hervorragenden Leistungen den Titel Winzer des Jahres verliehen bekommen.
Ein paar gute Ratschläge für die das Erlauer Weingebiet besuchenden Weinliebhaber und Touristen: Nach den unerschöpflichen Sehenswürdigkeiten sollten sie die Vielfalt der in Rhyolithtuffstein gehauenen Weinkeller erkunden, die Sie in den Kellereihen in Klein-Großkõporos (Kis- és Nagykõporos), Steinloch (Kõlyuk), sowie in Verõszala vorfinden. Wenn diese alle besucht haben kommen in das Tal der Schönen Frauen (Szépasszony-völgy), suchen Sie einen stimmungsvollen Weinkeller auf und genießen sie die Eleganz und den besonderen Geschmack der Erlauer Weine.